08.04.2016

So fotografieren Sie mit Langzeitbelichtung.

08.04.2016

So fotografieren Sie mit Langzeitbelichtung.

Die Digitalfotografie hat uns in eine Welt katapultiert, in der theoretisch (und sogar praktisch) alles möglich ist. Genau dies lässt uns manchmal vergessen, wie die grundlegendsten Werkzeuge der Fotografie (die Belichtungszeit, die Blendenöffnung und die ISO-Werte) uns atemberaubende Ergebnisse einbringen können.
Heute möchte ich eine Fotografietechnik beleuchten, mit der Sie mehr einfangen können, als Sie tatsächlich sehen. Tatsächlich verbinden wir Fotografie gedanklich meist mit “dem Einfangen eines Augenblicks”. In Wirklichkeit können wir aber mehrere Sekunden, Minuten (und theoretisch sogar Stunden) mit unseren Kameras einfangen: Die Rede ist von Langzeitbelichtung.

OLYMPUS DIGITALKAMERA

Für weniger geübte Augen könnte dieses Bild wie das Ergebnis eines seltsamen Tricks aussehen, aber ich kann Ihnen versichern, dass Sie mit jeder Kamera, bei der Sie die Belichtungszeit manuell einstellen können, ähnliche Fotos erzielen können.
Ziel ist es, so wenig Licht wie möglich an den Kamerasensor zu lassen, um die Belichtungszeit erhöhen zu müssen. Wie funktioniert das?
Sie beginnen, indem Sie herausfinden, wie lange Sie belichten möchten. Um die Bewegung der Wellen einzufangen, sind Zeiten von weniger als einer Sekunde ausreichend; für Wolken in Bewegung könnten Sie einige Minuten brauchen; und um die Sterne (Sternspuren) festzuhalten, kann eine Belichtung von mehreren Stunden nötig sein.

In dem Beispiel, das Sie oben sehen, machte ich Fotos einer kalten Morgendämmerung in London, in der Nähe der Tower Bridge.
Der Wind wehte stark und konnte beim bloßen Zuschauen erkennen, wie die Wolken vorüber zogen: Ich wollte ein Foto machen, das genau diese Bewegung einfing, und dazu brauchte ich eine Belichtungszeit zwischen 60 und 120 Sekunden.
In diesem Fall wählte ich einen ISO-Wert von 100 und f/16, was die Belichtungszeit auf 120s erhöhte.

Hier sind einige nützliche Tipps:

  • ISO: Beginnen Sie mit dem niedrigsten Empfindlichkeitswert, den Ihre Kamera hat (meist 50, 100 oder 200 ISO).
  • Blendenöffnung (f/): Je weiter Sie die Blende schließen, desto weniger Licht wird hinein gelangen, aber achten Sie darauf, nicht zu übertreiben, damit Sie am Ende keine Lichtbeugung haben. Nutzen Sie als Orientierung Werte zwischen f/8 und f/16.
  • Belichtungszeit: Indem Sie den ISO-Wert und die f/ einstellen, erhalten Sie die Belichtungszeit, die Sie sich anfangs gewünscht haben. Haben Sie keine Angst zu experimentieren: Jede Situation ist anders.

Sie werden jedoch bemerken, dass Ihre Belichtungszeit bei Tag selbst mit “extremen” Werten wie ISO 50 und f/22 zu schnell sein wird.
Wie habe ich also ein solches Foto gemacht?

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Sie können Neutraldichte-Filter (ND) verwenden, um die Menge an Licht, die Ihren Kamerasensor erreicht, noch weiter zu reduzieren, was die Belichtungszeit erhöht.
Diese Filter gibt es in verschiedenen Intensitäten, sie werden nach der Anzahl der Blendenstufen, um die sie die Lichtmenge verringern, eingestuft.
Für die Aufnahme, die Sie oben sehen, die die Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul direkt vor einem Sturm abbildet, wählte ich eine Belichtung von 8 Sekunden, mit einem Filter, der die Lichtmenge um 6 Blendenstufen reduzieren konnte.
Hätte ich diesen Filter nicht verwendet, hätte die Zeit bei 1/8s gelegen und das Foto wäre weit weniger eindrucksvoll.
Der Grund, warum ich eine Zeit von 8s und nicht 120s wie bei dem Foto in London wählte ist, dass ich den dreidimensionalen Effekt der Wolken beibehalten wollte, der bei einer übermäßig langen Belichtungszeit verloren gegangen wäre.
Ein weiteres angenehmes Ergebnis, das Sie mit dieser Technik erzielen können, ist der Seideneffekt bei Wellen, Wasserfällen und Flüssen.

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Um diesen 100 % italienischen Sonnenuntergang einzufangen, wählte ich eine relativ kurze Belichtungszeit (1/4s), da ich die Textur und die Bewegung des Wassers bewahren wollte.
Um ähnliche Belichtungszeiten am helllichten Tag zu erzielen, empfehle ich, ND-Filter zu verwenden (mit 1, 2 oder 3 Blendenstufen).

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Für diese Aufnahme des Burj Al Arab in Dubai beschloss ich erneut, eine lange Belichtung zu verwenden: Statische und dynamische Motive gegenüber zu stellen macht Ihre Fotos lebendig.
Seien Sie darauf vorbereitet, viele Fotos zu machen (oder von ein paar Wellen getroffen zu werden, wie es mir in diesem Fall passiert ist): Jede Welle ist anders und es ist nicht immer einfach, den perfekten Augenblick zu finden, um die Blende zu öffnen.
Ein essentieller Aspekt der Langzeitbelichtungsfotografie ist natürlich, dass Sie Ihre Kamera völlig still halten müssen. Wie Sie sicher bemerkt haben, lassen sich keine der Belichtungszeiten, die ich erwähnt habe, frei Hand erzielen. Wenn Sie sich also an diese Technik wagen wollen, müssen Sie unbedingt ein stabiles Stativ einsetzen.
In urbanen Umgebungen verwende ich meist das Manfrotto BeFree Carbon-Stativ, da ich mich bewegen können muss, ohne allzu viel mit mir herum zu schleppen. Zudem reduziert das Kohlefasermaterial die Erschütterungen, die von der Blende ausgelöst werden.
An sehr windigen Orten oder wenn ich mit meiner Kamera eine bestimmte Höhe erreichen muss, nutze ich das schwerere und größere Manfrotto 055 XPROB

Tatsächlich gibt es Situationen, in denen Stabilität wichtiger als alles andere ist, wie bei der Aufnahme des Burj Khalifa in Dubai, der sich von den bereits super-hohen Wolkenkratzern der goldenen Stadt abhebt.

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Das war eine Aufnahme, von der ich schon mehrere Jahre lang geträumt hatte, und sie erforderte viel Arbeit, sowohl beim Aufnehmen als auch beim Bearbeiten.
Als ich im 42. Stock des Hochhauses ankam, wehte, wie so oft am Persischen Golf, ein sehr starker Wind, und das Terrassengeländer war ziemlich hoch. Also musste ich das Manfrotto 055 XPROB-Stativ bei maximal ausgezogener Länge benutzen.
Mein Tipp: Um den Windfaktor zu reduzieren, nutzen Sie Ihren Körper als eine Art Schutzschild.
Ich verwendete ein Ultraweitwinkelobjektiv (14mm auf Vollformat) und machte mehrere Fotos mit jeweils 10s Belichtungszeit, eins nach dem anderen; diese kombinierte ich dann alle in der Nachbearbeitung.
Ich hätte eine Belichtungszeit von mehreren Minuten mit einem ND-Filter wählen können, aber in manchen Situationen, vor allem wenn sich das Umgebungslicht schnell ändert (in der Morgen- oder Abenddämmerung), bleibt einem nicht viel Zeit. Darum haben Sie mit dieser Technik eine bessere Sicherheitsmarge.
Wie Sie gesehen haben, bieten Langzeitbelichtungen Ihnen wirklich tolle Ausdrucksmöglichkeiten. Der Schlüssel zur Erzielung eines eindrucksvollen Bildes ist immer der gleiche: Versuchen Sie es wieder und wieder.
Diese Art der Fotografie gelingt nicht einfach, besonders, wenn Sie gerade erst einsteigen. Aber im Laufe der Zeit und mit genug Erfahrung werden Sie lernen, sich selbst zum Staunen zu bringen und begeistert “Wow!” rufen über das, was Sie geschafft haben.

VERWENDETE PRODUKTE: Manfrotto 055 XPROB-StativManfrotto BeFree Carbon-Stativ

Alessandro Carpentiero

Alessandro Carpentiero ist Fotograf, der sich auf Reisen und Architektur spezialisiert hat.
Er begann seine Fotos auf Instagram zu teilen, während er als Designer arbeitete. Seine Beliebtheit wuchs, sodass sich Zusammenarbeiten mit international bekannten Marken entwickelten. Heute ist er Vollzeit-Fotograf und reist um die Welt, um Fotos von der Schönheit unseres Planeten zu machen und luxuriöse Hotels und Ferienorte zu dokumentieren.

www.alessandrocarpentiero.com
http://instagram.com/alessandro_carpentiero
https://www.facebook.com/alessandro.carpentiero

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