Wedding Photography Manfrotto

22.10.2018

Hochzeitsfotografie mit einfachen Mitteln

written by:
Kaye Ford

22.10.2018

Hochzeitsfotografie mit einfachen Mitteln

Hochzeitsfotografie macht vielen Fotografen Angst. Auch ich selbst hatte Angst, auf Hochzeiten zu fotografieren, bis ich irgendwann von Brautpaaren darum gebeten wurde bzw. als Zweitfotograf andere Fotografen unterstützte. Ich habe Erfahrung als Event-Fotograf und dokumentiere Veranstaltungen wie die London Fashion Week. Warum also hatte ich Angst davor, auf Hochzeiten zu fotografieren?

Ich glaube, es liegt daran, dass die Hochzeit für das Brautpaar ein ganz großer Tag ist und man die Erinnerung daran in Bildern festhalten soll, die das Paar für immer in Ehren halten wird. Dazu kommt bei vielen Fotografen noch die Befürchtung, man brauche die tollste Ausrüstung und jede Menge Zubehör und das kostet und kostet und kostet. Aber eigentlich kann man Hochzeitsbilder auch mit ganz einfachen Mitteln gestalten. Man braucht weder ALLE nur denkbaren Ausrüstungsteile noch lauter teure Sachen.

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Ich persönlich verwende 2 Kameras mit unterschiedlichen Objektiven (für alle, die es wissen wollen: einem 24- bis 70er-Objektiv und einem 35-mm-Objektiv). Aber es reicht auch eine einzige Kamera oder man entscheidet sich für kompakte Systemkameras. Ich habe geraume Zeit mit gerade einmal einer Kamera und einem 50-mm-Objektiv als Zweitfotograf auf Hochzeiten gearbeitet, bevor ich so weit war, es auf eigene Faust zu versuchen und meine eigene Marke aufzubauen.

Man braucht auch nicht alles mögliche Luxuszubehör. Ich beschränke meine Fotoausrüstung auf einen Reflektor, vielleicht auch ein Einbeinstativ und eine Softbox für das Blitzgerät. Manchmal kommt noch ein Stativ dazu. Was ich letztlich alles mitnehme, hängt davon ab, wo die Hochzeit stattfindet. Nur der Reflektor ist meiner Meinung nach unverzichtbar. Im Folgenden möchte ich erläutern, wofür ich die einzelnen Teile einsetze und wie man sie alle völlig problemlos auch für mehrere Zwecke nutzen kann, um letztendlich wunderbare Hochzeitsbilder aufzunehmen.

Das erste der oben erwähnten einfachen Mittel, die man unbedingt braucht, ist die eigene Persönlichkeit!!! Man muss in der Lage sein, eine Reaktion aus den Gästen herauszuholen und große Gruppen von Gästen zu Gruppenaufnahmen zusammenzutrommeln. Man muss Leute zum Lachen oder Lächeln bringen können und dafür sorgen, dass sie vor der Kamera nicht unnatürlich und verkrampft wirken. Das ist bei einer Person noch recht einfach, aber sobald man es mit größeren Gruppen zu tun bekommt, ist es viel schwieriger, auf jeden einzelnen zu achten. Wer freundlich und fröhlich wirkt, hilft allen, die Nervosität vor der Kamera abzulegen und sich zu entspannen. Die Bilder werden dadurch viel besser und wirken natürlicher. Man muss eine Beziehung zur gesamten Hochzeitsgesellschaft aufbauen können, insbesondere zum Brautpaar. Man muss einen möglichst netten und aufgeschlossenen Eindruck machen und mit Begeisterung bei der Sache sein.

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Darüber hinaus braucht man ein gutes Auge dafür, wie man den Anlass am besten dokumentiert, und man muss ständig auf besondere Momente achten, die ein tolles Foto ergeben. Das einfachste der einfachen Mittel für die Hochzeitsfotografie ist meiner Ansicht nach man selbst. Als Hochzeitsfotograf muss man immer am Ball bleiben und darf sich die besonderen Momente nicht entgehen lassen. Eine Hochzeit bedeutet einen langen und anstrengenden 12-Stunden-Tag mit vielleicht nur einer kleinen Pause, wenn alle beim Essen sitzen. Aber es macht so viel Spaß, Situationen zu dokumentieren, die nicht unbedingt jeder zu sehen bekommt, und insbesondere das Brautpaar groß herauszubringen.

Wie ich schon sagte, empfiehlt es sich mitunter, ein Einbeinstativ mitzunehmen. In vielen Kirchen ist das Fotografieren mit Blitz nicht erlaubt und ehrlich gesagt würde ich in der Kirche oder in anderen feierlichen Momenten auch nicht blitzen wollen. Wenn man aber ein Einbeinstativ dabei hat (ich habe immer eins im Auto), dann kann man auch bei nicht idealen Lichtverhältnissen noch tolle Aufnahmen machen. In manchen Kirchen oder Standesämtern kann es recht dunkel sein. In diesem Fall erzielt man mit einem Einbeinstativ für die nötige Stabilität in Verbindung mit einem höheren ISO-Wert und einem niedrigeren Blendenwert (also einer größeren Blendenöffnung) gute, scharfe Bilder und kann also auch diese wichtigen Momente angemessen festhalten. Ein Stativ wäre in solchen Situationen völlig ungeeignet. Mit dem Einbeinstativ kann man sich frei bewegen und die Zeremonie aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufnehmen, wobei man sich selbstverständlich an die Vorgaben halten muss. Sprechen Sie im Vorfeld mit den Verantwortlichen, inwieweit Fotografieren gestattet ist und Sie dabei herumlaufen dürfen.

Hier noch ein toller Tipp für Fotos mit Einbeinstativ: Wenn Sie eine WiFi-Kamera haben, dann können Sie aus großer Höhe eindrucksvolle Bilder des Festsaals und der festlich geschmückten Hochzeitstafel machen. Dazu ziehen Sie einfach das Einbeinstativ mit der WiFi-Kamera auf die gewünschte Länge aus, halten es hoch und bedienen die WiFi-Kamera per Smartphone. So gelingen Ihnen mühelos geniale Fotos aus ungewöhnlicher Perspektive.

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Ich finde, ein Reflektor ist für Porträtaufnahmen ein Muss und definitiv ein ganz einfaches Mittel, das ehrlich gesagt in keiner Fotografenausstattung fehlen sollte. Man kann ihn außer für Porträts zum Beispiel auch für die Produktfotografie nutzen und überhaupt immer dann, wenn Licht auf das Motiv reflektiert werden soll. Ich arbeite meist mit silbernen Reflektoren, aber es gibt auch weiße oder goldene.

Ein Reflektor eignet sich ideal für Porträtaufnahmen der Braut, um beispielsweise Glitzereffekte in der Hochzeitsfrisur oder Details des Hochzeitskleides zur Geltung zu bringen. In manche Kleider sind winzige Kristalle eingearbeitet, die man in Nahaufnahmen mit einem Reflektor, der das Tageslicht darauf lenkt, wunderbar zum Strahlen bringen kann. Auch bei Porträts des Brautpaars nutze ich den Reflektor gern. Ich richte ihn von unten her auf die Gesichter der beiden, sodass keine unvorteilhaften Schatten entstehen. Gegenstände wie die Brautschuhe, der Blumenschmuck oder der Brautstrauß lassen sich mit einem Reflektor ebenfalls sehr gut aufnehmen. Kurz, ein Reflektor lässt sich äußerst vielseitig nutzen und ist fast schon ein Garant für richtig schöne Hochzeitsfotos. Meist verwende ich den Reflektor für Aufnahmen der Braut. Für Fotos des Brautpaares braucht man einen größeren Reflektor und einen Helfer, der ihn hält. Am besten sind Faltreflektoren, die sich klein zusammenlegen lassen und in die Kameratasche passen. Es gibt also keine Ausrede, ohne Reflektor aufzutauchen. TriGrip-Reflektoren kann man sogar selbst in der einen Hand halten, während man die Kamera mit der anderen bedient.

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Des Weiteren lässt sich die weiße Seite eines Reflektors auch als Hintergrund nutzen, eine Möglichkeit, an die viele Fotografen gar nicht denken. Wenn man keine andere geeignete Fläche findet, kann man zum Beispiel Blumen, den Brautstrauß, Accessoires oder die Brautschuhe darauf drapieren und aufnehmen. Hat man einen ausreichend großen Reflektor zur Hand, kann man sogar ganze Arrangements aus Blumen, Schuhen usw. zusammenstellen und auf der gleichmäßig weißen Fläche fotografieren. Man muss nur den richtigen Winkel finden und schon erscheint der gesamte Hintergrund weiß. Das ist eine ganz einfache Lösung, wenn man keine „schöne“ Oberfläche als Hintergrund zur Verfügung hat.

Für Abend- und Party-Fotos empfehle ich auf jeden Fall einen Blitz. Wenn man auch für den Abend engagiert ist, empfiehlt sich ein Blitzgerät, das man meiner Meinung nach sowieso immer mitnehmen sollte. Wenn nötig, kann man es bei Aufnahmen des Brautpaares als Aufhellblitz nutzen. Ich montiere es manchmal sogar auf einem Stativ und löse den Blitz per Fernbedienung aus, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Das erschließt mir mehr Möglichkeiten und ich kann die Bildwirkung kreieren, die mir vorschwebt.

Ein weiteres einfaches Mittel ist eine Softbox für das Blitzgerät wie zum Beispiel die Ezybox. Diese ist nützlich, wenn man den Blitz als Aufhellblitz einsetzt, denn sie streut das Licht weiter und lässt es weicher wirken, eignet sich aber auch für Aufnahmen auf der Tanzfläche, wobei man den Blitz in diesem Fall am besten auf der Kamera montiert. Die Ezybox ist klein und tragbar. Das heißt, man kann den Blitz auf den Blitzschuh der Kamera schieben, ohne dass die Ezybox dem Objektiv im Weg ist. Außerdem lässt sie sich zusammenfalten und kann in der Kameratasche verstaut werden, ohne zu viel Platz zu brauchen. Bei Aufnahmen am Abend erzielt man mit einer Softbox ein weicheres Licht als mit einem direkten, superhellen Blitz. Wenn ich keine Softbox dabei habe, richte ich den Blitz immer auf die Decke oder eine Wand, sodass er von dort reflektiert wird. Aber ich ziehe die Softbox bei Weitem vor, denn man kann ja nie wissen, wie hoch beispielsweise die Decke ist.

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Trotz der hohen ISO-Werte, die heutige Kameras erzielen können, mache ich Aufnahmen der Hochzeitsgäste beim Tanzen nach wie vor lieber mit Blitz. Denn ohne Blitz lassen sich die schnellen Tanzbewegungen nur sehr schwer in guter Qualität einfangen. Und niemand mag übermäßig verschwommene Bilder. Andererseits sind Schnappschüsse ohne Blitz bei gedämpfter Beleuchtung viel einfacher und manchmal sogar ästhetisch ansprechender, da sie die Atmosphäre des Abends viel besser wiedergeben. Außerdem bemerken die Gäste gar nicht, dass sie gerade aufgenommen werden, wenn man ohne Blitz fotografiert. Ein Blitz dagegen richtet ihre Aufmerksamkeit auf den Fotografen und manche Menschen können sich nicht locker und entspannt geben, wenn sie wissen, dass sie gerade fotografiert werden.

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Es gibt also eine Reihe von einfachen Mitteln, um tolle Hochzeitsfotos zu machen. Aber ehrlich gesagt glaube ich, das einfachste aller Mittel ist nicht die Kamera samt Zubehör, sondern ein Auge für gute Bilder und eine große Leidenschaft für die Fotografie. Hochzeitsfeiern können lange dauern, und es ist die Leidenschaft für die Fotografie, die einen dann antreibt und keine Müdigkeit aufkommen lässt und die man den Fotos auch ansieht. Die Leidenschaft ist es, die einen meiner Meinung nach zu einem hervorragenden Fotografen macht. Ganz gleich, ob man beruflich oder einfach nur als Gast auf einer Hochzeit fotografiert – die besten Fotos macht man mit einer Kamera und großer Leidenschaft. Eine Fotoausrüstung kann man im Lauf der Zeit zusammentragen. Ich habe erklärt, mit welchen einfachen Mitteln ich meine Bilder schieße und konnte Sie damit hoffentlich inspirieren, diese Mittel in Ihre Fotoausrüstung aufzunehmen. Aber die beste Ausrüstung ist nutzlos ohne die Liebe zum Fotografieren und – bei Hochzeiten – ohne Begeisterung für die Liebe selbst.

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